SERAFIMA & JEVHEN

 

Er schaut sich um in seiner Wohnung – alles fremd.
Mit ihm ist Serafima, er fragt sie, wer sie ist.
Sie antwortet liebevoll: ich bin deine Frau.
So eine hübsche Frau habe ich? – Sie lacht.
Dieser Ort ist voller Langsamkeit und Geduld.

 

 

Der Röhrenmonitor übertönt den Bombenalarm.
Dieses Zuhause bietet Schutz,
in einer Welt ohne Beständigkeit.
Aber manchmal zählen sie die Wände,
um bei einem Einschlag hinter der zweiten zu sein.

 

 

Der Krieg ist nicht mehr fremd,
89 Jahre hat er versucht, ihn zu vergessen.
Das kleine Häuschen im Donbas,
den Nazi, seine weinende Mutter.
Als wäre ein Krieg seine Lebensklammer.

 

 

Die Wände ihrer Wohnung sind längst ein Archiv,
behangen mit Teppichen und Fotografien.
Sie erinnern Serafima an Zeiten.
Jevhen erinnern sie an Namen seiner Kinder.

 

 

Serafima pflegt Jevhen, sie kocht, sie putzt,
sie wäscht die Wäsche, sie geht einkaufen.
Sie begleitet ihn zum Arzt, sie bringt ihn zu Bett.
Sie ist 90 und ihr Mann – erkrankt an Demenz.

 

 

Jevhen hält den Schmerz aus,
hält die Abwesenheit aus: von Momenten,
Erinnerungen, Gefühlen, Freude.
Bis nichts mehr da ist, woran er sich halten kann.

 

 

Jevhen stirbt friedvoll, in seinem Bett.
Serafima hält seine Hand.
Er hört auf zu atmen, sie legt eine Wolldecke über ihn.
Es soll ihm nicht kalt werden.

 

 

Wird es irgendwann leichter?


Serafima trägt den unaufhörlichen Schmerz.
Hat ihn die Liebe mitgebracht?
Wie lernt man, dieses Leben auszuhalten?

 

 

Serafima lernt und hält aus,
sie hält Jevhens Abwesenheit aus,
die Abwesenheit von Freude,
die Abwesenheit von Nähe,
die Abwesenheit vom gewohnten Leben.

 

 

Hallo, mein Lieber, sagt sie am Friedhof,
als könnte er antworten.

 

 

Muss man für die Liebe mit Schmerz bezahlen?

 


Ausschnitt aus dem Werk SERAFIMA & JEVHEN, © Sofia Samoylova, 2025

Installationsansicht, 2025 / 2026 © Fotos: Sofia Samoylova, Nikolay Stahiv, Laila Eisa, Heiko Wirtz

Shortlist: Aenne-Biermann-Preis für Deutsche Gegenwartsfotografie 2026

Finalistin: Meitar Award for Excellence in Photography 2025
Shortlist: 
Felix Schoeller Photo Award Deutscher Friedenspreis für Fotografie 2025

4. Platz: Langhe PhotoPrize 2025

 

 

Horishni plavni (UA)

Heimatmuseum // 08. April – 30. April 2026 // Soloausstellung

 

BIENNALE DELLA FOTOGRAFIA FEMMINILE (IT)

Mantova // 6. Januar – 29. März 2026 // Gruppenausstellung

 

Friedrichshafen (DE)

Rathaus // 8. Januar – 15. März 2026 // Soloausstellung

 

PHOTO IS:RAEL (IL)

Tel Aviv // 19. – 29. November 2025

 

Friedrichshafen (DE)

Ukrainisches Kulturzentrum // 22. Oktober – 29. November 2025 // Soloausstellung

 

Mettmann (DE)

Kunsthaus Mettmann e.V. // 3. – 19. Oktober 2025

 

Wiesbaden (DE)

Stadtmuseum am Markt (SAM), Wiesbadener Fototage // 23. August – 7. September 2025

 

Goldau (CH)

Atelier R6 // 23. August – 4. September 2025

 

Neive, piemont (IT)

LanghePhotoPrize / LanghePhotoFestival // 6. Juli – 12. November 2025

 

Dresden (DE)

GEH8 – Kunst Raum Ateliers2 // 3. Mai – 29. Juni 2025